Können Physlets Experimente ersetzen?


Achtung: Simulationsprogramme veranschaulichen trotz ihrer suggestiven Wirkung grundsätzlich theoretische Modelle und nicht etwa die physische Welt. Sie ersetzen damit keinesfalls Schüler- und Demonstrationsexperimente! Simulationen bieten aber sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten innerhalb von idealisierten physikalischen Theorien und eignen sich aufgrund ihrer Interaktivität hervorragend zur Konzeptbildung durch aktives Lernen. Es bleibt hingegen vorrangiges Anliegen des naturwissenschaftlichen Unterrichts, die vereinfachenden Simulationen in den ungleich komplexeren Rahmen der Lebenswelt einzuordnen, mithin also auch die sogenannte Rahmungskompetenz in Bezug auf die u.U. bequemere virtuelle Realität zu fördern.

Andererseits trifft die Simulationen auch keine "Schuld", wenn sie die Wirklichkeit nicht exakt beschreiben: Wo z.B. eine virtuelle optische Bank die Gauß'sche Matrixoptik für achsennahe Strahlen implementiert, ändert sich die Richtung der Strahlen eben nicht an der gezeichneten Linsenoberfläche sondern auf einer Linie zu fester x-Position auf der optischen Achse. Die Theorie hingegen wird exakt wiedergegeben, soweit es die verwendete Numerik erlaubt. Es sind hier also deduktive Schlussweisen über die anschaulichen Konsequenzen der behandelten Theorie möglich, aber keine direkten empirischen Erkenntnisse über die Natur zu gewinnen. Mit diesem Umstand werden sich auch die Lernenden in geeigneter Form auseinandersetzen müssen.

Wir schlagen unter anderem folgende Verwendungsmöglichkeiten von Physlets vor:

  • Einstieg in eine Unterrichtsreihe mit Simulationen zu physikalischen und "unphysikalischen" Situationen die zu einer experimenteller Klärung drängen

  • Sicherung mit Physlets als "bewegte Tafelbilder" auch auf Diskette, z.B. zum Dopplereffekt

  • Gedankenexperimente innerhalb eines theoretischen Rahmens, z.B. zu quantenmechanischen Wellenpaketen

  • Schülerübungen mit Physlets (auch als Hausaufgaben), die theoretische Sachverhalte einüben oder experimentelle Fragestellungen vorbereiten (z.B. zum Übergang virtuelles-reelles Bild bei einer Lupe)

  • Schülerreferate, Facharbeiten mit von Schülern vorbereiteten Physlets (z.B. mit den Skriptoren auf der Physlet-Homepage)

  • mündliche Prüfungen (auch als Wdh. in der Klasse) zu bekannten - und damit letztlich theoretischen - Sachverhalten wie z.B. der Verteilung von Induktionsladungen auf geerdeten Leitern

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